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... von wegen Body percussion sei schwierig

Ein unterhaltsamer Lehrgang wie immer in sieben Teilen garniert mit ebenso vielen Übungen von Andreas Horwath

Hier klicken für die Druckversion des Lehrgangs.

1.Teil: Was ist Body percussion?

Sie waren doch bestimmt vor kurzem einmal in einem Konzert und haben nach jedem Stück schön geklatscht, bei manchen vielleicht - je nach Musikrichtung - sogar während des Stückes. Und? Haben Sie es bemerkt? Das war Body percussion! Nicht viel, aber zumindest ein Anfang.

Bei Body percussion gelten zwei Regeln:
1. Die Klangerzeugung geschieht mit dem eigenen Körper unter Zuhilfenahme von Händen, Füßen und Fingern.
2. Nicht erlaubt ist die Zuhilfenahme der Stimme oder sonstiger Körperteile, die durch Luft oder ähnliches in Schwingungen versetzt werden.
Dazu gibt es ein paar kleine Ausnahmen, auf die später eingegangen wird.

Sie fragen sich jetzt bestimmt: was ist denn Body percussion mehr als Klatschen, Schenkelklopfen und Fußstampfen? Eine ganze Menge mehr, deshalb handeln die nun folgenden drei Teile von der Klangerzeugung.


2. Teil: Klangerzeugungsmöglichkeiten zum Ersten

Die wichtigsten Klangerzeugungsmöglichkeiten wurden schon genannt: das Klatschen mit den Händen, das Klopfen mit den Händen, was nicht nur auf den Oberschenkeln geht, sondern auch auf den - von unten nach oben: Füßen (mit Schuhen Schuhplatteln genannt), Waden, Knien, Oberschenkeln, Po, Bauch, Brust, Schulter, Hals, Wangen, Stirn und Kopf (puh, eine lange Liste) - und das Stampfen mit einem Fuß oder mit beiden Füßen.

Ein gutes Beispiel für Body percussion ist der Flamenco, bei dem die Tänzer nicht nur von Gitarren, sondern auch vom rhythmischen Klatschen begleitet werden und zur Betonung auch kräftig mit dem Fuß, besonders mit dem Absatz, stampfen.

Nicht zu vergessen: man hat zwei Hände und zwei Füße, kann also vierstimmig Body percussionieren. Probieren Sie dies aus, bevor Sie im dritten Teil weiterlesen:

Übung 1: Ein Fuß stampft Viertel, der andere Achtel, mit der linken Hand klopfen Sie auf den linken Oberschenkel und mit der rechten Tätscheln Sie in Sechzehnteln sacht Ihre Wange.
von wegen Body percussion sei schwierig Notenbeispiel Übung 1
Notenbeispiel Übung 1

Wie klappt es? Wie klingt es? Wie sieht es aus? Wenn Sie jetzt dreimal "Nicht so gut" geantwortet haben, dann müssen wir uns etwas anderes ausdenken. Doch mehr dazu in einem späteren Teil.


3. Teil: Klangerzeugungsmöglichkeiten zum Zweiten

Man kann mit der Zunge schnalzen. Wobei wir schon bei der ersten Streitfrage wären: ist das Zungeschnalzen Body percussion? Denn schließlich kann man durch Veränderung des Mundraums auch die Schnalztonhöhe verändern.

Ich sage ja: denn beide Regeln werden eingehalten, die Zunge schlägt auf den Kiefer und es strömt keine Luft. Und dass ein Klang variiert werden kann durch Veränderung der Form eines Körperteils, darüber berichte ich ausführlich im vierten Teil.

Doch nun zu weiteren Möglichkeiten: wer 1-2 oder 3 angeschaut (das war vor 3-2-1-meins) hat, weiß, dass Plopp gleich Stopp heißt. Das Ploppen im Mund ist ein wichtiges, klanglich interessantes Body-percussion-Element.

Übung 2: Probieren Sie es - jetzt - einmal aus.

Weiteres Body percussion, das mit dem Mund gemacht werden kann, ist das aus der Kälte kommende Zähneklappern.

Mit den Händen respektive den Fingern kann man auch einen Klang erzeugen: das Fingerschnippen. Etwas abgewandelt wird es, wenn der schnippende Daumen über alle Finger streift. Und die Fingerknöchel oder die Handflächen (auch aus der Kälte bekannt) kann man mit einem schönen Klang aneinanderreiben.

Last but noch least kann man mit den Füßen nicht nur stampfen, sondern auch wippen - damit wäre auch geklärt, dass das manchmal an Getrampel erinnernde Mitklopfen des Taktes beim Musizieren auch Body percussion ist - beim Gehen schlurfen oder die Oberschenkel und beim Militär die Fußhacken aneinanderschlagen.

Eine ganze Menge werden Sie jetzt sicherlich sagen. Und es kommt noch mehr, denn es gibt eine ganze Menge von Variationsmöglichkeiten.


4. Teil: Klangerzeugungsmöglichkeiten und zum Dritten

Fangen wir beim Klatschen an: wie klatschen Sie denn? Mit den flachen Händen direkt gegeneinander? Oder die Hände um 90° versetzt gegeneinander? Lassen Sie einen Hohlraum in den Handflächen? Lassen Sie in beiden Händen einen großen Hohlraum und erzeugen so einen dumpfen, tiefen Ton? Schlagen Sie die Handflächen gegeneinander oder schlagen Sie mit den drei mittleren Fingern in die gewölbte Handfläche? Nicht auszudenken, wenn man mit der einen Hand auf den Handrücken der anderen oder gar beide Handrücken gegeneinander schlägt.

Die vielen Antworten auf die gestellten Fragen machen deutlich, dass Klatschen nicht gleich Klatschen ist (die Fliegen können ein Lied davon singen) und dass es dabei viele Möglichkeiten gibt, den Klatschklang zu beeinflussen.

Übung 3: Denken Sie also daran, wenn Sie das nächste Mal in ein Konzert gehen und klatschen Sie in möglichst vielen Variationen.

Durch die Variation der Handform beim Klopfen werden große Klangunterschiede erzeugt. Klopfen Sie beispielsweise einmal mit der flachen und dann mit der hohlen Hand auf den Bauch. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und das liegt nicht nur an Ihrem Bauch. Grundsätzlich gilt auch hier die Regel: Je mehr Resonanzraum vorhanden (in der Hand, nicht am Bauch), desto voller und lauter der Klang. Ebenso gibt es große Unterschiede, wenn mit der Faust, dem Handrücken oder auch dem Unterarm geklopft bzw. geschlagen wird.

Große Unterschiede im Klang erzeugt man durch die Beschaffenheit der Oberflächen, die aufeinander treffen oder einfacher gesagt, ob man auf bedeckte Haut oder nackte Haut schlägt. Das Schenkelklopfen mit kurzen Hosen klingt deutlich heller als in Jeans.

Übung 4: Klopfen Sie mit der linken Hand Achtel auf dem Oberschenkel. Immer wenn die Hand nach oben geht, schlägt sie an die rechte Hand, die ruhig hingehalten wird oder auch leicht nach unten geht. Es entsteht eine Sechzehntelbewegung. Klopfen Sie mit dem rechten Fuß Viertel. Variieren Sie, in dem die rechte Hand in Achteln auf den rechten Oberschenkel klopft und dann wieder an die linke Hand gehalten wird. Versuchen Sie verschiedene Tempi, von langsam bis sehr schnell.
von wegen Body percussion sei schwierig Notenbeispiel Übung 4
Notenbeispiel Übung 4


5. Teil: Dynamik und Phrasierung

Was ist der Hauptunterschied zwischen Klatschen und Zähneklappern? Richtig, Klatschen ist viel, viel lauter als Zähneklappern. Womit wir auch bei einer Schwierigkeit von Body percussion sind: die Klänge haben nur eine begrenzte Dynamikbandbreite, manche sind nur im piano möglich wie Zähneklappern, andere wie Klatschen reichen vom piano bis zum fortissimo und die meisten sind irgendwo mittendrin.

Hier eine Einteilung nach der Maximallautstärke:

piano Zähneklappern, Hände aneinanderreiben, Fingerknöchel reiben
mezzoforte Finger schnippen, Zungeschnalzen, Ploppen
forte Klopfen an sämtlichen Körperteilen
fortissimo Klatschen



Um die Dynamikunterschiede auszugleichen, greife ich in meinen Stücken zu folgendem Kniff: ich male Dynamikzeichen unter die Noten ... ja, die gibt es bei Body percussion auch ... und unterscheide bei den lauten Klängen in normale (mezzoforte) und betonte (forte - fortissimo) Schläge. Damit bekommen auch die leiseren Klänge eine Chance.

Desweiteren unterscheide ich in Basisklänge, das sind für mich Stampfen, Klatschen und das Klopfen auf Brust, Bauch und Oberschenkel und Effektklänge wie Ploppen, Zähneklappern, Zungeschnalzen. Ein Zwitter ist das Fingerschnippen, das sowohl als Rhythmusbasis als auch als Effekt eingesetzt werden kann.

Übung 5: Probieren Sie Klänge in piano, mezzoforte, forte und fortissimo aus. Probieren die lauten Klänge unbetont und betont.

Übung 6: Schlagen Sie mit der linken Hand Achtel auf dem Oberschenkel, stampfen Sie mit dem rechten Fuß punktierte Viertel, Achtel und zwei Viertel, also einen typischen Bass-drum-Rhythmus. Versuchen Sie nun mit der rechten Hand sowohl einen Gegenrhythmus zu schnippen, als auch zu Ploppen, mit der Zunge zu schnalzen oder mit den Zähnen zu klappern. Nicht ganz einfach, hierbei nicht aus dem Takt zu kommen, oder?
von wegen Body percussion sei schwierig Notenbeispiel Übung 6
Notenbeispiel Übung 6


6. Teil: Body percussion in der Gemeinschaft

Die Schwierigkeit, polyphon zu stampfen, zu klopfen und Effektklänge einzusetzen, was aus eigener Erfahrung viel Übung benötigt, führt dazu, dass die Mehrstimmigkeit wieder in eine Einstimmigkeit überführt wird, in dem die Stimmen auf mehrere Personen aufgeteilt werden und diese sich spezialisieren. Die einen Klatschen hauptsächlich, die anderen stampfen und wieder welche klopfen. Effektklänge können entweder von allen durchgeführt werden und sind damit durch die Vervielfachung auch lauter, oder sie können gezielt in Pausen der anderen Stimmen eingesetzt werden.

Und der vielleicht beste Nebeneffekt: Body percussion in der Gemeinschaft macht Riesenspaß. Nicht nur, dass man die anderen beobachten kann, wie sie ungewohnte Bewegungen ausführen, was zu spontanen Lachsalven führen kann, sondern dass man auch selbst in der klopfenden, stampfenden, klatschenden Menge sein Scherflein zum Gesamtrhythmus und Gesamtklang beisteuert und neue und spannende Erfahrungen macht.

Übung 7 (dazu brauchen Sie Mitstreiter): Spielen Sie Schlagzeug: einer stampft (=Bass drum), einer klatscht (=Snare), einer oder zwei klopfen (=Hihat). Wenn Sie noch mehr zusammentrommeln ! können, dann bauen Sie Effekte ein.
von wegen Body percussion sei schwierig Notenbeispiel Übung 7
Notenbeispiel Übung 7

Haben Sie alle Übungen durchgeführt? Dann haben Sie bestimmt noch einen weiteren Effekt von Body percussion festgestellt: es fördert die Durchblutung. Nicht nur in den Körperteilen, die unmittelbar geschlagen werden oder die in Bewegung sind, nein der ganze Körper profitiert von den Bewegungen.


7. Teil: Ausblick, Literatur und mehr

Im letzten Teil der Lehrgangs möchte ich Ihnen Anregungen geben, wie Sie Ihr nun erworbenes Body-percussion-Wissen in die Praxis umsetzen können. Die nachfolgend aufgeführte Literatur und die Internetverknüpfungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bestimmt finden Sie im Internet weitere Werke oder Schulwerke, die sich mit Body percussion beschäftigen. Auch die Künstler, die Body percussion einsetzen, sei es in ihren Vorstellungen, in Seminaren oder in Schulen, sind sicherlich zahllos.

Darum, wenn Ihnen Body percussion und dieser Lehrgang gefallen haben: nutzen Sie die angegebenen Informationen als Ausgangspunkt für eigene Entdeckungsreisen in die wunderbare Welt des Body percussion.

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Andreas Horwath

Literatur

Titel Komponist Verlag
Body percussion
Body percussion classic
Body percussion Zarathustra
Andreas Horwath Ces-dur Musikverlag, Esslingen http://www.cesdur.de
Body Percussion #1 Gerhard Reiter Helbling Verlag, Esslingen http://www.helbling-verlag.de
Flamenco - Body percussion arr. Houllif Quelle: http://www.blasmusik-shop.de


Internet

Inhalt Verknüpfung
Keith Terry: Crosspulse, Body music percussion http://www.crosspulse.com/
Pedro Consorte, phänomenale Polyrhythmik http://www.youtube.com/watch?v=f8bkvO1XpzM&playnext=1&list=PL90621A7BA1F8B949
International Body music Festival in San Francisco, 1.-6.11.2011 http://www.internationalbodymusicfestival.com/
Body percussion Erläuterungen im Pädagogischen Informationszentrum http://piz.nmz.de/aeb/Farb_KLang_PIZ/Schlagzeug/body.htm
Body percussion bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/Body_Percussion
>Body percussion im Ces-dur Glossar http://www.cesdur.de/glossar/body percussion.htm